Der Total-Return-Ansatz ist ein Oberbegriff für eine Anlagestrategie, die vor allem im professionellen Markthandel eingesetzt wird. Während Total-Return-Strategien für viele Vermögensverwalter und Hedgefonds die Grundlage des Handels bilden, kennen die meisten Privatanleger den Ansatz – wenn überhaupt – nur oberflächlich.
Ziele
Der Total-Return-Ansatz verfolgt im Wesentlichen zwei Ziele. Das erste besteht darin, in jedem Marktumfeld positive, absolute Renditen zu erzielen – unabhängig davon, ob die Märkte allgemein steigen, fallen, stagnieren oder sogar crashen. Ein Total-Return-Portfolio wird stets mit dem Ziel aufgebaut, einen Gewinn zu erwirtschaften, ganz gleich, was der Markt macht. Das zweite Ziel besteht darin, das Portfolio so aufzubauen, dass es vom Gesamtmarkt unabhängig ist, denn nur so lassen sich in jedem Marktumfeld Gewinne erzielen. Diese Unabhängigkeit bringt einen großen Vorteil mit sich: Schutz vor Verlusten, die durch Crashs, Naturkatastrophen oder Ereignisse wie die Terroranschläge vom 11. September 2001 und die Nuklearkatastrophe von Fukushima 2011 ausgelöst werden. All diese Ereignisse haben eines gemeinsam: Sie wirkten sich massiv und überwiegend negativ auf den Gesamtmarkt aus. Die negativen Auswirkungen auf ein solides Total-Return-Portfolio sind dagegen im Idealfall gering.
Das Total-Return-Konzept
Wie aber lässt sich ein Anlageportfolio so aufbauen, dass es vom Gesamtmarkt unabhängig und gegen Extremereignisse weitgehend geschützt ist? Betrachten wir zunächst einen klassischen Investmentfonds. Ein klassischer Investmentfonds ist long-only, er kann also nur Wertpapiere kaufen: Er kann long gehen – oder gar nichts tun. Short gehen, etwa durch Leerverkauf von Aktien, kann er nicht. Ein solcher Fonds erzielt daher nur dann ein positives Ergebnis, wenn der Gesamtmarkt und die einzelnen gekauften Wertpapiere steigen. Fallen die Kurse deutlich, macht auch der Fonds Verluste, da er sich nicht oder nur eingeschränkt gegen fallende Kurse absichern kann.
Der entscheidende Vorteil eines Total-Return-Portfolios besteht darin, dass es nicht long-only, sondern long-short aufgebaut ist. Bei Aktien bedeutet das, dass das Verhältnis zwischen long gehaltenen und leerverkauften Aktien stets ausgeglichen ist. Vereinfacht gesagt: Fällt der Gesamtmarkt stark, verlieren die Long-Positionen an Wert, diese Verluste werden jedoch durch die Short-Positionen ausgeglichen – im Idealfall sogar überkompensiert, sodass das Portfolio insgesamt einen Gewinn erzielt. In der Regel wird jeder Long-Position eine Short-Position als Gegenstück zugeordnet. Beide Positionen werden gleichzeitig eröffnet und bilden eine Art Tandem. Man spricht hier von Spread-Trades – mehr dazu weiter unten.
Aufbau eines Total-Return-Portfolios
Ein zentraler Erfolgsfaktor eines Total-Return-Portfolios ist die Diversifikation über alle wesentlichen Anlageklassen hinweg. Im Mittelpunkt steht der Aktienmarkt, da er mit Abstand die größte Auswahl an Einzelwerten bietet – weltweit werden viele tausend Aktien gehandelt. Die zweitwichtigste Anlageklasse sind Währungspaare; Anleihen und Rohstoffe können ergänzend hinzukommen. Diversifikation ist deshalb so wichtig, weil sie das Portfolio vor ungewöhnlichen Bewegungen einzelner Positionen schützt. Besteht ein Portfolio aus 20 verschiedenen Aktien und bleibt eine davon weit hinter den Erwartungen zurück, ist der Schaden für das Gesamtportfolio vernachlässigbar. Besteht ein Portfolio dagegen aus nur drei Positionen, hat jede einzelne so viel Gewicht, dass starke Kursschwankungen das gesamte Portfolio gefährden und zu hohen Verlusten führen können.
Über die Diversifikation hinaus liegt die eigentliche Kunst darin, die richtigen Wertpapiere zum richtigen Zeitpunkt zu kaufen oder leerzuverkaufen (long oder short zu gehen). Zur Auswahl der Einzelwerte und für das Timing der Trades werden makroökonomische, unternehmensspezifische und charttechnische Faktoren herangezogen. Wie erwähnt, werden Positionen in der Regel – wenn auch nicht zwingend – als Spread-Trades eröffnet. Die beiden Komponenten eines Spread-Trades werden nie isoliert, sondern stets im Verhältnis zueinander betrachtet. Dasselbe Prinzip gilt für Währungspaare: Jedes Paar besteht aus zwei Währungen, deren Werte ins Verhältnis zueinander gesetzt werden. Wie am Devisenmarkt lässt sich dieses Prinzip auch auf den Aktienmarkt oder jeden anderen Markt übertragen. Die Grundidee lautet: relative Stärke kaufen und relative Schwäche verkaufen. Innerhalb eines Spread-Trades wird eine Aktie gekauft, von der Stärke erwartet wird, und im Gegenzug eine Aktie verkauft, von der Schwäche erwartet wird. Geht der Plan auf, steigt die gekaufte Aktie, während die verkaufte fällt – so wird an beiden verdient. Selbst wenn beide Aktien steigen, bringt der Trade Gewinn, solange sich die als stärker eingeschätzte Aktie besser entwickelt als die als schwächer eingeschätzte – und umgekehrt gilt dasselbe, wenn beide Aktien fallen, solange die stärkere weniger fällt.
Hinter Portfolios, die nach diesem Muster aufgebaut sind, steht die Annahme, dass relativ starke Aktien in Boomphasen tendenziell stärker steigen als schwache Aktien und in einem Crash tendenziell weniger fallen als Aktien, die bereits zuvor schwach waren. Theoretisch ergeben die beiden Seiten eines Spread-Trades zusammen also ein profitables Ergebnis. In der Praxis hängt der Erfolg jedoch von der Auswahl der „richtigen“ Wertpapiere ab: Entwickelt sich die gekaufte Aktie schlechter als die leerverkaufte, verliert der Spread-Trade Geld – ganz gleich, in welche Richtung sich der Markt bewegt.