Was sind Optionen?
Bevor geklärt wird, was Optionen sind, lohnt es sich zu verstehen, was sie nicht sind. Optionen werden häufig mit Optionsscheinen gleichgesetzt oder verwechselt. Tatsächlich sind Optionen und Optionsscheine zwei ganz verschiedene Dinge. Im klassischen Sinne sind Optionen echte, standardisierte Finanzprodukte, die an einer Terminbörse gehandelt werden. Optionsscheine werden dagegen in der Regel von Banken ausgegeben und tragen daher ein Emittentenrisiko: Wird der Emittent – die ausgebende Bank – zahlungsunfähig, können seine Optionsscheine über Nacht wertlos werden.
Im Prinzip bilden Optionsscheine das Verhalten von Optionen nach – und damit enden die Gemeinsamkeiten auch schon. Was bleibt, sind die Unterschiede, genauer gesagt die Nachteile von Optionsscheinen gegenüber echten Optionen:
- Keine Standardisierung, Emittentenrisiko: Optionsscheine sind keine standardisierten Produkte. Jeder Emittent kann sie anders ausgestalten, und wie eine herkömmliche Inhaberschuldverschreibung hängen sie von der Zahlungsfähigkeit des Emittenten ab. Dass Wertpapiere über Nacht wertlos werden – wie es vielen Produkten von Lehman Brothers beim Zusammenbruch der Bank 2008 erging –, kann bei börsengehandelten Optionen so nicht passieren, da diese über die Clearingstelle der Börse abgewickelt werden.
- Weniger transparente Preisbildung: Optionsscheine werden nicht wie Optionen an einer Terminbörse gehandelt. Ihre Kurse werden in der Regel vom Emittenten selbst gestellt, sodass die Preisbildung nicht immer transparent ist.
- Weniger Strategien: Optionsscheine ermöglichen nur einen Bruchteil der Handelsstrategien, die mit Optionen möglich sind. Der einfache Grund: Verkäufer eines Optionsscheins kann nur die ausgebende Bank sein. Anders als bei Optionen kann ein Optionsscheinhändler nicht selbst die Verkäuferseite – den sogenannten Stillhalter – einnehmen. Das ist ein entscheidender Nachteil für Optionsscheinhändler; die Gründe werden unten unter „Warum mit Optionen handeln?“ erläutert.
Der einzige Vorteil von Optionsscheinen – sofern man überhaupt von einem sprechen kann – besteht darin, dass sie auch für relativ kleine Konten zugänglich sind, da die erforderlichen Mindestbeträge niedriger sind als bei echten Optionen. Es überrascht nicht, dass Emittenten ihre Optionsscheine gern einem breiten Anlegerpublikum zugänglich machen: Sie verdienen an den verkauften Optionsscheinen, auch an denen, die wertlos verfallen.
Was genau ist also eine Option?
Eine Option – genauer gesagt ein Optionskontrakt – ist eine Vereinbarung zwischen zwei Parteien über ein Geschäft in der Zukunft. Jeder Option liegt eine Vereinbarung über den Austausch eines Vermögenswerts zugrunde, etwa von Aktien oder Rohstoffen. Der Preis, zu dem dieser Vermögenswert ausgetauscht werden soll, der sogenannte Basispreis (Strike), ist für die Laufzeit der Option festgelegt und kann nicht geändert werden. Auch die Laufzeit der Option ist festgelegt.
Schon der Name „Option“ verweist auf den Kern dieses Finanzinstruments. Der Käufer oder Inhaber einer Option hat das Recht, aber nicht die Pflicht, den Basiswert zum vereinbarten Preis zu kaufen – oder ihn im Fall einer Put-Option zu verkaufen (mehr dazu unten). Je nach Optionsart kann der Inhaber die Option während oder am Ende ihrer Laufzeit ausüben und den Basiswert zum vereinbarten Preis verlangen. Ist die Ausübung wirtschaftlich nicht sinnvoll, kann er die Option auch wertlos verfallen lassen. Der Preis der Option, die sogenannte Optionsprämie, ist mit einer Versicherungsprämie vergleichbar: Ob die Option ausgeübt wird oder nicht, die Prämie ist gezahlt und wird nicht erstattet.
Wie Futures sind Optionen Derivate – Termingeschäfte, die auf einem in der Zukunft stattfindenden Geschäft beruhen. Und wie Futures werden sie an Terminbörsen gehandelt.
Die zwei Parteien einer Option
Da eine Option eine Vereinbarung zwischen zwei Parteien ist, kann ein Optionshändler jede der beiden Seiten einnehmen. Er kann als Käufer oder Inhaber einer Option auftreten, der das Recht auf Lieferung des Basiswerts zum vereinbarten Preis hat. Oder er tritt als Verkäufer einer Option auf, als sogenannter Stillhalter.
Die beiden Seiten eines Optionsgeschäfts lassen sich mit dem Verhältnis zwischen einer Versicherungsgesellschaft und einem Versicherungsnehmer vergleichen. Der Käufer der Option ist der Versicherungsnehmer, und die Option ist im Grunde die abgeschlossene Versicherungspolice. Der Verkäufer oder Stillhalter übernimmt die Rolle der Versicherungsgesellschaft.
Bei Abschluss eines Geschäfts zahlt der Käufer die Optionsprämie an den Stillhalter, so wie ein Versicherungsnehmer die Versicherungsprämie an den Versicherer zahlt. Im Gegenzug erwirbt der Käufer das Recht (aber niemals die Pflicht), den Basiswert zum vereinbarten Preis zu kaufen. Gleichzeitig übernimmt der Stillhalter die Pflicht, dem Optionskäufer den Basiswert zu liefern, falls dieser die Option ausübt. Der Stillhalter hat bei dieser Entscheidung kein Mitspracherecht: Er kann nur abwarten, ob der Käufer die Option ausübt oder sie am Ende der Laufzeit wertlos verfallen lässt. Eine Option verfällt wertlos, wenn ihre Ausübung bei Fälligkeit wirtschaftlich keinen Sinn ergäbe – etwa bei einer Call-Option, deren Basispreis über dem Marktpreis des Basiswerts liegt.
Natürlich kann eine Option während ihrer Laufzeit jederzeit an der Börse gekauft und verkauft werden, sodass keine der Parteien bis zum Verfall warten muss – eine Position kann vorzeitig glattgestellt werden. Die Optionsprämie, also der Börsenkurs der Option, ändert sich jedoch ständig, sodass Trader sowohl günstige als auch ungünstige Kursbewegungen in Kauf nehmen müssen.
Arten von Optionen
1. Nach Ausübungsart
Bei der Ausübung einer Option wird zwischen europäischen und amerikanischen Optionen unterschieden. Der Unterschied liegt im Zeitpunkt, zu dem das Recht auf Lieferung des Basiswerts ausgeübt werden kann. Eine amerikanische Option kann jederzeit während ihrer Laufzeit bis einschließlich zum Verfallstag ausgeübt werden. Eine europäische Option kann dagegen nur am Ende ihrer Laufzeit ausgeübt werden; eine vorherige Ausübung ist nicht möglich. Die Bezeichnungen beziehen sich nur auf die Ausübungsart, nicht auf den Ort, an dem die Optionen gehandelt werden.
2. Nach Position: Calls und Puts
Welche Positionen kann ein Optionshändler überhaupt einnehmen? Zunächst ist zwischen Kaufoptionen und Verkaufsoptionen zu unterscheiden. Im Börsenjargon heißen Kaufoptionen Call-Optionen, kurz „Calls“, und Verkaufsoptionen Put-Optionen, kurz „Puts“. Sowohl Calls als auch Puts können gekauft und verkauft werden, woraus sich für einen Optionshändler vier mögliche Positionen ergeben. Zuvor lohnt es sich aber, genau zu klären, was Calls und Puts sind.
Calls sind Kaufoptionen. Sie berechtigen den Käufer, den zugrunde liegenden Vermögenswert – den „Basiswert“ – zum vereinbarten Preis zu kaufen. Der Stillhalter ist verpflichtet, auf Verlangen des Optionskäufers den Basiswert zu liefern, ihn also zum vereinbarten Basispreis zu verkaufen.
Puts sind dagegen Verkaufsoptionen. Sie berechtigen den Käufer, den Basiswert zum vereinbarten Basispreis zu verkaufen. In diesem Fall muss der Stillhalter nicht liefern, sondern auf Verlangen des Optionskäufers den Basiswert zum Basispreis kaufen und abnehmen. Geschieht dies, spricht man davon, dass der Stillhalter ausgeübt (assigned) wird: Der Basiswert wird ihm „angedient“.
Daraus ergeben sich vier konkrete Positionen.
Die vier Grundpositionen im Optionshandel
1. Kauf eines Calls (Long Call)
Wer eine Call-Option kauft, hält eine Long-Position in einem Call (Long Call). Der Käufer erwirbt das Recht, den Basiswert zum vereinbarten Basispreis zu kaufen.
2. Verkauf eines Calls (Short Call)
Wer eine Call-Option verkauft, hält eine Short-Position in einem Call (Short Call). Der Stillhalter verpflichtet sich, dem Käufer den Basiswert auf Verlangen zum Basispreis zu verkaufen.
3. Kauf eines Puts (Long Put)
Wer eine Put-Option kauft, hält eine Long-Position in einem Put (Long Put). Der Käufer erwirbt das Recht, den Basiswert zum vereinbarten Basispreis zu verkaufen.
4. Verkauf eines Puts (Short Put)
Wer eine Put-Option verkauft, hält eine Short-Position in einem Put (Short Put). Der Stillhalter verpflichtet sich, dem Käufer den Basiswert auf Verlangen zum Basispreis abzukaufen.
Wie Optionen funktionieren
Nachdem die Grundlagen erläutert sind, zeigt dieser Abschnitt, wie Optionen tatsächlich funktionieren.
Die Griechen
Um die griechischen Buchstaben im Optionshandel ranken sich viele Gerüchte und Mythen. Viele unerfahrene Privatanleger haben schon von den sogenannten „Griechen“ gehört, doch kaum jemand versteht, was dahintersteckt und warum diese Kennzahlen im Optionshandel so enorm wichtig sind. Fakt ist: Ein Optionshändler kann kaum erfolgreich sein, ohne zu verstehen, wie die Griechen funktionieren und was sie bedeuten.
Im Optionshandel ist die Wahl der richtigen Option entscheidend für den Erfolg. Es gibt unzählige verschiedene Optionen: unterschiedliche Laufzeiten (Stichwort: Verfall) sowie verschiedene Optionen mit demselben Verfallstag (Stichwort: Basispreis). Kurz gesagt: Wer die Griechen nicht kennt, hat kaum eine Chance, jemals die richtige Option für einen geplanten Trade auszuwählen.
Jeder Optionshändler sollte wissen, wie die folgenden Griechen funktionieren und was sie bedeuten: Delta, Gamma, Vega und Theta.
1. Delta
Das Delta misst, wie stark sich der Preis einer Option ändert, wenn sich der Kurs des Basiswerts um eine Einheit ändert. Call-Optionen haben ein Delta zwischen 0 und 1, Put-Optionen ein Delta zwischen −1 und 0. Ein Call mit einem Delta von 0,50 gewinnt beispielsweise rund $0.50 an Wert, wenn der Basiswert um $1 steigt, während ein Put mit einem Delta von −0,50 rund $0.50 verliert. Optionen, die tief im Geld liegen – deren Ausübung also bereits deutlich profitabel wäre –, haben ein Delta nahe 1 (bzw. −1) und bewegen sich fast im Gleichschritt mit dem Basiswert, während Optionen weit aus dem Geld ein Delta nahe 0 aufweisen.
2. Gamma
Das Gamma misst, wie stark sich das Delta einer Option ändert, wenn sich der Kurs des Basiswerts um eine Einheit bewegt. Es zeigt, wie schnell sich die Sensitivität der Option gegenüber dem Basiswert verändert. Hat ein Call zum Beispiel ein Delta von 0,50 und ein Gamma von 0,05, steigt sein Delta auf etwa 0,55, wenn der Basiswert um $1 zulegt. Am höchsten ist das Gamma bei Optionen am Geld – mit einem Basispreis nahe dem aktuellen Kurs des Basiswerts –, vor allem kurz vor dem Verfall. Optionskäufer haben ein positives, Stillhalter ein negatives Gamma: Für Stillhalter bedeutet ein hohes Gamma, dass sich ihr Risiko bei starken Bewegungen des Basiswerts sehr schnell ändern kann.
3. Vega
Das Vega misst, wie empfindlich der Preis einer Option auf Veränderungen der impliziten Volatilität reagiert – also der Markterwartung, wie stark der Basiswert künftig schwanken wird. Es gibt an, wie stark sich der Optionspreis ändert, wenn sich die implizite Volatilität um einen Prozentpunkt verändert. Eine Option mit einem Vega von 0,10 gewinnt zum Beispiel rund $0.10, wenn die implizite Volatilität von 20 % auf 21 % steigt. Steigende Volatilität erhöht den Wert von Calls und Puts gleichermaßen, was Käufern nützt und Stillhaltern schadet. Optionen mit langer Restlaufzeit haben ein höheres Vega als Optionen, die bald verfallen.
4. Theta
Das Theta misst den Zeitwertverfall einer Option: wie viel Wert die Option mit jedem verstrichenen Tag verliert, wenn alle anderen Faktoren unverändert bleiben. Ein Theta von −0,05 bedeutet zum Beispiel, dass die Option pro Tag rund $0.05 an Wert verliert. Der Zeitwertverfall wirkt gegen Optionskäufer und zugunsten der Stillhalter. Er beschleunigt sich mit nahendem Verfall und ist bei Optionen am Geld besonders ausgeprägt.
Warum mit Optionen handeln?
Optionen sind vielseitige Instrumente, die für ganz unterschiedliche Zwecke eingesetzt werden können:
- Absicherung: Ein Put wirkt wie eine Versicherung für eine bestehende Position. Wer zum Beispiel Aktien hält, kann Puts kaufen, um sich gegen fallende Kurse abzusichern; die Prämie ist der Preis dieser Versicherung (siehe Hedging).
- Hebel bei begrenztem Risiko: Mit einem relativ geringen Einsatz – der Prämie – kann ein Optionskäufer an den Kursbewegungen einer deutlich größeren Position im Basiswert teilhaben. Der maximale Verlust des Käufers ist auf die gezahlte Prämie begrenzt.
- Prämien vereinnahmen: Stillhalter erhalten die Optionsprämie im Voraus und behalten sie vollständig, wenn die Option wertlos verfällt. Diese Rolle steht nur bei echten Optionen offen; bei Optionsscheinen ist sie der ausgebenden Bank vorbehalten.
- Flexibilität: Durch die Kombination von Calls und Puts können sich Trader nicht nur auf steigende oder fallende Kurse, sondern auch auf Seitwärtsmärkte oder Veränderungen der Volatilität ausrichten.
Die Risiken sollten jedoch nicht übersehen werden. Der Zeitwertverfall wirkt gegen Käufer, und verfällt eine Option wertlos, ist die gesamte Prämie verloren. Stillhalter gehen Verpflichtungen ein und müssen in der Regel Margin als Sicherheit hinterlegen. Ihr maximaler Gewinn ist auf die erhaltene Prämie begrenzt, während ihre möglichen Verluste erheblich sein können – bei einem ungedeckten (nackten) Short Call sind sie theoretisch unbegrenzt.
Optionsstrategien
Optionen lassen sich auf vielfältige Weise miteinander und mit dem Basiswert kombinieren, sodass die Bandbreite möglicher Strategien sehr groß ist. Zu den bekannten Basisstrategien zählen:
- Covered Call: Halten des Basiswerts und Verkauf eines Calls darauf, um zusätzliche Prämieneinnahmen zu erzielen.
- Protective Put: Kauf eines Puts, um eine bestehende Position im Basiswert gegen fallende Kurse abzusichern.
- Spreads: gleichzeitiger Kauf und Verkauf von Optionen desselben Typs mit unterschiedlichen Basispreisen oder Verfallsterminen – zum Beispiel ein Bull Call Spread, der die Kosten einer Position senkt, aber auch ihren möglichen Gewinn begrenzt.
- Straddle und Strangle: gleichzeitiger Kauf eines Calls und eines Puts auf denselben Basiswert (beim Straddle mit gleichem, beim Strangle mit unterschiedlichen Basispreisen), um von einer starken Kursbewegung in beliebiger Richtung zu profitieren.