Zentralbanken
Eine Zentralbank verantwortet die Geldpolitik eines Landes oder Währungsraums. Ihre Entscheidungen zu Zinsen und Geldmenge – allen voran die der EZB und der Fed – bewegen die Finanzmärkte.
Ca. 6 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 9. Oktober 2026
Eine Zentralbank ist die Institution, die für die Geldpolitik eines Landes oder Währungsraums verantwortlich ist: Sie gibt die Währung aus, steuert Zinsen und Geldmenge und fungiert als Bank der Geschäftsbanken. Zentralbanken gehören zu den einflussreichsten Marktteilnehmern. Dieser Eintrag betrachtet zwei von ihnen ausführlich: die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-Notenbank Federal Reserve (Fed). Beide nehmen eine Sonderstellung ein, da Trader ihre Entscheidungen besonders genau verfolgen. Aber auch andere Zentralbanken – etwa die Bank of Japan, die Bank of England oder die Schweizerische Nationalbank – spielen eine große Rolle.
EZB – Europäische Zentralbank
Die Europäische Zentralbank mit Sitz in Frankfurt am Main wurde im Juni 1998 gegründet, um die Einführung des Euro im Januar 1999 vorzubereiten. Sie ist die gemeinsame Währungsbehörde der EU-Mitgliedstaaten, die den Euro eingeführt haben.
Aufbau der EZB
Nach Artikel 106 des Maastricht-Vertrags (Zusammensetzung des ESZB; Rechtspersönlichkeit) besteht das Europäische System der Zentralbanken (ESZB) aus der EZB selbst und den nationalen Zentralbanken der EU-Mitgliedstaaten. Die EZB und die nationalen Zentralbanken der Mitgliedstaaten der Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) – des Euroraums – bilden zusammen das Eurosystem. Jede nationale Zentralbank wird durch ihren Präsidenten bzw. Gouverneur vertreten. Das Beschlussorgan der EZB ist der EZB-Rat, der sich aus den Mitgliedern des Direktoriums und den Präsidenten der nationalen Zentralbanken des Euroraums zusammensetzt. Jedes stimmberechtigte Mitglied hat eine Stimme; seit 2015 üben die Präsidenten der nationalen Zentralbanken ihr Stimmrecht im Rotationsverfahren aus. Bei Stimmengleichheit gibt die Stimme des EZB-Präsidenten den Ausschlag.
Das Direktorium besteht aus dem Präsidenten, dem Vizepräsidenten und vier weiteren Mitgliedern. Sie werden vom Europäischen Rat nach Anhörung des Europäischen Parlaments und des EZB-Rats für eine nicht verlängerbare Amtszeit von acht Jahren ernannt. Der Präsident leitet sowohl den EZB-Rat als auch das Direktorium und stellt die geldpolitischen Beschlüsse der Öffentlichkeit vor. So war etwa Mario Draghi von 2011 bis 2019 Präsident, Vítor Constâncio war von 2010 bis 2018 Vizepräsident; Christine Lagarde trat ihr Amt als Präsidentin im November 2019 an. Die Aufgaben des Direktoriums sind:
- Vorbereitung der Sitzungen des EZB-Rats
- Umsetzung der Beschlüsse des EZB-Rats
- Durchführung geldpolitischer Maßnahmen
- Führung der laufenden Geschäfte der EZB
Besonders wichtig ist Artikel 107 des Maastricht-Vertrags (Unabhängigkeit der EZB): Danach ist die EZB von politischen Gremien unabhängig. Das verleiht der EZB erhebliche Macht und ermöglicht es ihr, ihre Ziele zu verfolgen, ohne von politischen Zielsetzungen beeinflusst zu werden. Seit dem Vertrag von Lissabon sind diese Bestimmungen mit neuen Artikelnummern im Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV) enthalten.
Aufgaben der EZB
Die Kernaufgabe der EZB besteht darin, die Preisstabilität im Euroraum zu gewährleisten. Mit Einführung des Euro ging die Verantwortung für die Geldpolitik von den nationalen Zentralbanken – etwa der Deutschen Bundesbank, die als Teil des Eurosystems weiter besteht – auf die EZB über. Seit November 2014 beaufsichtigt die EZB zudem direkt die größten Banken des Euroraums. Die Aufgaben der Europäischen Zentralbank wurden erstmals im Maastricht-Vertrag von 1992 festgelegt; Artikel 105 (Ziele und Aufgaben des ESZB) nennt Folgendes:
- Preisstabilität: Das Preisniveau im Euroraum stabil zu halten – also die Inflation niedrig zu halten – ist die wichtigste und zentrale Aufgabe der EZB.
- Unterstützung der Wirtschaftspolitik der Gemeinschaft: Die EZB soll die allgemeine Wirtschaftspolitik der Gemeinschaft (heute der Europäischen Union) unterstützen, um eine harmonische und ausgewogene wirtschaftliche Entwicklung zu fördern, sofern dies das Ziel der Preisstabilität nicht beeinträchtigt.
- Liquidität: Eine weitere Aufgabe besteht darin, die Wirtschaft mit ausreichend Geld zu versorgen, um die Wirtschaftstätigkeit bestmöglich zu unterstützen.
- Reibungsloser Zahlungsverkehr: Die EZB soll das reibungslose Funktionieren der Zahlungssysteme fördern.
- Verwaltung der Währungsreserven: Die Zentralbank hält Währungsreserven, damit ihr geldpolitische Instrumente zur Verfügung stehen. Diese bestehen aus Reserven in verschiedenen Währungen (US-Dollar, japanischer Yen, chinesischer Renminbi), Gold und Sonderziehungsrechten. Ein Sonderziehungsrecht (SZR) ist eine vom Internationalen Währungsfonds (IWF) geschaffene künstliche Währungseinheit; sein Wert basiert auf einem Korb wichtiger Währungen, und die IWF-Mitgliedsländer können SZR untereinander gegen Währungen tauschen. Bei der Verwaltung der Währungsreserven hat die Liquidität oberste Priorität, gefolgt von Sicherheit und schließlich Rendite.
- Devisengeschäfte: Die EZB soll Devisengeschäfte im Einklang mit Artikel 109 (Vereinbarungen mit Drittstaaten; Wechselkursvereinbarungen) durchführen. Dieser Artikel regelt internationale Vereinbarungen mit Ländern außerhalb der EU und ermöglicht es der Gemeinschaft, ihnen gegenüber einen gemeinsamen Standpunkt einzunehmen.
Fed – Federal Reserve System
Das Federal Reserve System ist das Zentralbanksystem der Vereinigten Staaten von Amerika. Der Federal Reserve Act von 1913 begründete die Fed und übertrug ihr die Verantwortung für die Geldpolitik.
Aufbau der Fed
Die Fed setzt sich aus folgenden Organen zusammen:
Federal Open Market Committee (FOMC): Das FOMC hat 12 stimmberechtigte Mitglieder: die sieben Mitglieder des Board of Governors, den Präsidenten der Federal Reserve Bank of New York sowie vier der übrigen elf Präsidenten der regionalen Reserve Banks, die jährlich rotieren. Zu seinen Zuständigkeiten gehören die Offenmarktgeschäfte (der Kauf und Verkauf von Wertpapieren durch die Fed) und die Devisenpolitik. Vor allem legt das FOMC auf seinen acht regulären Sitzungen pro Jahr das Zielband für die Federal Funds Rate fest – den Leitzins der Fed.
Board of Governors: Das Board of Governors ist das zentrale Leitungsorgan der Fed und mit dem Direktorium der EZB vergleichbar. Es hat sieben Mitglieder, die vom Präsidenten der Vereinigten Staaten nominiert und vom Senat bestätigt werden. Zu den Aufgaben des Boards gehören die Festlegung der Mindestreserveanforderungen, die Anpassung des Diskontsatzes, die Aufsicht über die zwölf regionalen Federal Reserve Banks und die Pflege der Beziehungen zu den Zentralbanken anderer Länder.
Zwölf regionale Federal Reserve Banks: Formal befinden sich die regionalen Federal Reserve Banks in Privatbesitz – ihre Anteile werden von den Mitgliedsbanken ihrer Bezirke gehalten. Banken mit bundesstaatlicher Zulassung (National Banks) sind gesetzlich zur Mitgliedschaft im Federal Reserve System verpflichtet, während Banken mit einzelstaatlicher Zulassung freiwillig beitreten können. Anders als gewöhnliche Aktien können diese Anteile weder verkauft noch gehandelt werden und verschaffen ihren Inhabern keine Kontrolle über die Geldpolitik. Die Reserve Banks setzen die vom Board of Governors und vom FOMC festgelegte Geld- und Kreditpolitik um.
Aufgaben der Fed
Zu den Aufgaben der Fed gehören die Festlegung der Geld- und Kreditpolitik, die Bankenaufsicht, die Überwachung der Geldmenge und die Sicherstellung eines funktionierenden Zahlungsverkehrs. Nach jeder FOMC-Sitzung gibt sie ihren Zinsentscheid für den US-Dollar bekannt. Die Fed ist damit das US-amerikanische Gegenstück zur Europäischen Zentralbank. Anders als die EZB, deren vorrangiges Ziel die Preisstabilität ist, hat die Fed jedoch ein sogenanntes duales Mandat: maximale Beschäftigung und stabile Preise.
Warum Zentralbanken für das Trading wichtig sind
Da Zentralbanken über enorme finanzielle Mittel verfügen, haben sie entscheidenden Einfluss auf die Währung und die Wirtschaft eines Landes. Entsprechend bewegen sich die Kurse oft sehr stark, wenn wichtige Zentralbanknachrichten veröffentlicht werden, etwa Zinsentscheide oder Pressekonferenzen. Vor allem am Devisenmarkt sind Zentralbanken die wichtigsten Akteure. Je größer der Wirtschaftsraum, den eine Zentralbank abdeckt, desto größer ihre Bedeutung für die Märkte.
Trader versuchen in der Regel, sich einen Vorteil zu verschaffen, indem sie nach Setups mit besonders hoher Gewinnwahrscheinlichkeit suchen. Das Problem am Devisenmarkt besteht darin, dass Zentralbanken die Märkte mit ihren Instrumenten bei der Verfolgung ihrer Ziele plötzlich und unvorhersehbar bewegen können. Fällt etwa ihre Währung stark, kann eine Zentralbank ihre Währungsreserven einsetzen, um sie zu stabilisieren. Auch Kurswechsel können völlig überraschend kommen: Im Januar 2015 gab die Schweizerische Nationalbank unerwartet den seit 2011 verteidigten Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro auf, und der Schweizer Franken schoss innerhalb von Minuten in die Höhe. Deshalb sind viele Trader vor wichtigen Zentralbankentscheidungen lieber flat – halten also keine offenen Positionen –, statt darauf zu spekulieren, dass sich die Kurse in die richtige Richtung bewegen.
Cashback-Bezug
Cashback wird auf jedes gehandelte Lot gezahlt – bis zu $4.40 pro Lot bei RoboForex.
Zum Deal** Affiliate-Link (Werbung)
Weitere Begriffe.
- FOMC (Federal Open Market Committee)Das FOMC (Federal Open Market Committee) ist der geldpolitische Ausschuss der US-Notenbank Federal Reserve. Es legt das Zielband für den Leitzins, die Federal Funds Rate, fest.
- InflationInflation ist ein allgemeiner und anhaltender Anstieg des Preisniveaus von Waren und Dienstleistungen, wodurch Geld stetig an Kaufkraft verliert.
- Devisen (Forex)Devisen (Forex oder FX) bezeichnen ausländische Währungen und den Markt, an dem sie gehandelt werden. Währungen werden stets paarweise gehandelt, etwa EUR/USD.
- NiedrigzinspolitikNiedrigzinspolitik umfasst Maßnahmen von Zentralbanken, die Zinsen zu senken oder niedrig zu halten – meist um einer Deflation entgegenzuwirken und Kreditaufnahme sowie Investitionen anzuregen.