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MarktteilnehmerCa. 4 Min. Lesezeit

Arbitrageure

Arbitrageure sind Marktteilnehmer, die Preisunterschiede desselben Vermögenswerts zwischen Handelsplätzen oder Zeitpunkten ausnutzen, um risikolose Gewinne zu erzielen.

Ca. 4 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 9. Oktober 2026

Was sind Arbitrageure?

Arbitrageure sind eine der fünf Gruppen von Marktteilnehmern – Hedger, Spekulanten, Arbitrageure, Zentralbanken sowie strategische, fundamental orientierte Investoren –, deren Handelsentscheidungen die Kursbewegungen an den Märkten mitbestimmen. Arbitrageure profitieren von Preisunterschieden desselben Wertpapiers oder Vermögenswerts, entweder zwischen verschiedenen Handelsplätzen oder zwischen verschiedenen Zeitpunkten, etwa zwischen dem Kassakurs und dem Futures-Kurs. Im Laufe des Handelstages können zwischen Börsen weltweit Preisunterschiede entstehen, sodass ein Produkt an einer Börse etwas günstiger gehandelt wird als an einer anderen. Arbitrageure nutzen diese Unterschiede aus, um risikolose Gewinne zu erzielen – und gleichen dabei den Kurs des Wertpapiers über alle Börsen hinweg wieder an.

In der Kapitalmarkttheorie unterscheidet man zwischen Arbitragemöglichkeiten erster Art und zweiter Art.

Arbitrage erster Art (Free Lottery)

Eine Arbitragemöglichkeit erster Art liegt vor, wenn man sich heute einen Gewinn in der Zukunft sichern kann, ohne Kapital einzusetzen. Sie lässt sich mit einem kostenlosen Lotterielos vergleichen: Es kostet nichts und kann nur zu einem Gewinn, nie zu einem Verlust führen. Deshalb wird dieser Fall auch als „Free Lottery“ bezeichnet.

Beispiel: Betrachtet wird eine Anlage in eine sichere Anleihe mit einem Nennwert von $100.00 und einem Kupon von 8 %, die in genau einem Jahr fällig wird. Der Refinanzierungszins – also der Zinssatz, zu dem sich der Anleger Geld leihen kann – beträgt in diesem Beispiel 5 %. Ein Anleger könnte die Anleihe kaufen, indem er einen Kredit zu 5 % Zinsen pro Jahr aufnimmt, sodass er kein eigenes Geld einsetzen müsste. Einen künftigen Gewinn erzielt er immer dann, wenn die Anleihe weniger als $102.86 kostet.

Berechnung:

  • Rückzahlungsbetrag (R) = $108.00 (Nennwert von $100.00 zuzüglich 8 % Zinsen, fällig in einem Jahr)
  • Refinanzierungszins (i) = 5 %
  • Kurs der Anleihe (P)

P = R / (1 + i)

Der erwartete Zahlungsstrom der Anleihe wird mit dem Refinanzierungszins abgezinst. So ergibt sich der Höchstpreis, der für die Anleihe gezahlt werden kann. Jeder niedrigere Preis ermöglicht Arbitrage erster Art.

Höchstpreis der Anleihe: P = $108.00 / (1 + 0.05) = $102.857143 ≈ $102.86

Arbitrage ist also immer dann möglich, wenn der Marktpreis der Anleihe unter P liegt. Lässt sich die Anleihe beispielsweise zum Nennwert von $100.00 kaufen, leiht sich der Anleger $100.00, erhält nach einem Jahr $108.00, zahlt $105.00 zurück und behält einen Gewinn von $3.00 – ohne eigenes Kapital eingesetzt zu haben.

Arbitrage zweiter Art (Free Lunch Today)

Eine Arbitragemöglichkeit zweiter Art liegt vor, wenn man heute einen Gewinn erzielen kann, ohne künftig Zahlungsverpflichtungen einzugehen. In diesem Fall steht der Gewinn sofort zur Verfügung – daher der Name „Free Lunch Today“.

Beispiel 1: Wird eine Aktie an zwei Handelsplätzen zu unterschiedlichen Kursen gehandelt, lässt sich diese Situation für einen risikolosen Gewinn nutzen. Man kauft die Aktie günstig an einem Handelsplatz, verkauft sie am anderen zu einem höheren Kurs und behält die Differenz als Gewinn. Wichtig ist, dass Kauf und Verkauf gleichzeitig erfolgen.

Berechnung:

  • Kauf der Aktie an Handelsplatz 1: P1 = $100.00
  • Verkauf der Aktie an Handelsplatz 2: P2 = $101.00
  • Gewinn: P2 − P1 = $1.00

Arbitrage ist immer dann möglich, wenn P2 − P1 > 0 ist. In der Praxis muss die Kursdifferenz zudem die anfallenden Transaktionskosten übersteigen.

Beispiel 2: Auch mit dem Anleihebeispiel lässt sich Arbitrage zweiter Art veranschaulichen. Heute, am Emissionstag der Anleihe, legt man $100.00 zu einem Kupon von 8 % an und erhält am Ende der einjährigen Laufzeit $108.00 zurück. Mit diesen $108.00 lässt sich ein Kredit tilgen, den man heute aufnimmt und der am selben Tag fällig wird. Man leiht sich also heute $102.857143 zum Refinanzierungszins von 5 %. Damit erhält man heute einen Kredit über $102.857143, von dem man nur $100.00 anlegen muss – es bleibt ein „Free Lunch Today“ von rund $2.86.

Berechnung:

Gewinn = R / (1 + i) − I = $108.00 / (1 + 0.05) − $100.00 ≈ $2.86

Dabei ist I der angelegte Betrag. Diese $2.86 entsprechen genau dem Barwert des Gewinns von $3.00 aus dem Beispiel erster Art: dieselbe Fehlbewertung, nur heute statt in einem Jahr vereinnahmt.

Ist Arbitrage heute noch möglich?

Risikolose Gewinne sind kaum noch zu haben. Das liegt sowohl an der engen Vernetzung der Finanzplätze als auch an den Möglichkeiten des computergestützten Handels. Automatisierte Handelssysteme beseitigen Bewertungsunterschiede innerhalb von Sekundenbruchteilen, sodass gewöhnliche Privatanleger praktisch keine Gelegenheit zur Arbitrage haben. Nur institutionelle Investoren verfügen über die technischen Möglichkeiten und die direkten Anbindungen an Handelsplätze, die für solche Geschäfte erforderlich sind.

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